Wer bereits vor einigen Jahren einen Darlehensvertrag geschlossen hat und neidisch auf die aktuellen Baufinanzierungskonditionen schaut, sollte rechtlich prüfen lassen, ob die Widerrufsbelehrung seines Darlehensvertrag den rechtlichen Vorgaben entspricht. Ist dies nicht der Fall, könnten Sie Ihre alte Finanzierung auch jetzt noch widerrufen und ohne Vorfälligkeitsentschädigung aus Ihrem bestehendem Darlehensvertrag aussteigen und vom aktuell sehr niedrigen Zinsniveau profitieren.

Ähnliches gilt auch für den Fall, wenn sie bereits unter Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung vorzeitig aus Ihrem Darlehensvertrag ausgestiegen sind. Auch hier ist eine rechtlich nicht einwandfrei erfolgte Widerrufsbelehrung seitens Ihrer Bank bei Vertragsabschluss für Sie bares Geld wert, denn bei erfolgreichem Widerruf könnten Sie die bereits gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung wieder zurück verlangen.

Dass Fehler in der Widerrufsbelehrung der Banken bei Immobilienfinanzierungen keine Einzelfälle sind, ist spätestens seit Ende 2013 bekannt. Die Hamburger Verbraucherzentrale hatte damals bei sehr vielen überprüften Widerrufsbelehrungen verschiedener Institute festgestellt, dass diese bei mehr als zwei Drittel der Immobilienkredite falsch sind und die Immobilienkredite eigentlich vorzeitig aufgelöst werden können. Zum Stand 17. Juni 2014 sind nach Angaben der Hamburger Verbraucherzentrale bei mehr als 1.800 überprüften Immobiliendarlehensverträgen sogar fast 80% der Widerrufsbelehrungen falsch.

Wie kann es denn dazu kommen, dass so viele Banken so oft falsche Widerrufsbelehrungen verwendet haben?

Seit der Einführung des Widerrufsrechtes für Darlehensverträge hat der Gesetzgeber die Anforderungen an die Widerrufsbelehrungen mehrfach geändert und den Kreditinstituten jeweils aktualisierte "Muster-Widerrufsbelehrungen" an die Hand gegeben, wie diese Belehrung gegenüber dem Verbraucher zu erfolgen hat. Diese Änderungen wurden von den Banken oftmals nicht oder nicht zeitnah umgesetzt, so daß weiterhin ältere aber nicht mehr gültige Widerrufsbelehrungen verwendet wurden.

Oder die Banken haben das gesetzliche Muster der  Widerrufsbelehrung nach eigenem gutdünken mit Zusätzen, Ergänzungen, vermeintlichen Klarstellungen oder auch gestalterischen Elementen so geändert, oder ihren Prozessabläufen "angepasst", dass die Belehrung fehlerhaft wurde und nicht mehr den rechtlichen Anforderungen genügt.

Was bedeutet das denn jetzt für meinen Vertrag?

Die Abweichungen im Text der Widerrufsbelehrung fürhren dazu, dass die Verträge - obwohl bankseitig sicherlich nicht so gewollt - rechtlich angreifbar sind und Sie auch heute noch aus ihrem schon vor Jahren abgeschlossenen Immobiliendarlehensvertrag austeigen können. Durch die fehelerhafte Widerrufsbelehrung hat die 14-tägige Widerrufsfrist nämlich noch gar nicht begonnen - sie können dies heute nutzen und gegenüber Ihrem Kreditinstitut den Widerruf des Vertrages erklären.

Aufgrund des aktuell sehr niedrigen Zinsniveaus liebäugeln sehr viele Kunden damit, aus Ihren "teuren" Altverträgen auszusteigen und zu aktuellen Konditionen neu zu finanzieren. Dies war jedoch bisher immer noch daran gescheitert, dass die Banken für die "vorzeitige Beendigung" des "bestehenden" Vertrages eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangt haben, die den Vorteil des günstigeren Anschlusszinssatzes meistens jedoch wieder aufhoben.

Ist jedoch die Widerrufsbelehrung falsch, wird der Vertrag ja gar nicht vorzeitig beendet, sondern sie nehmen nur Ihre gesetzlich zugesicherte Widerspruchsmöglichkeit innerhalb der Widerspruchsfrist von 14 Tagen - die Frist  hat ja nicht zu laufen begonnen - wahr und zahlen dem Finanzierungsinstitut das Darlehen wieder zurück - ohne Vorfälligkeitsentschädigung!

Lohnt sich das denn überhaupt

Aber ja, es lohnt sich. Gehen wir davon aus, Sie haben Anfang 2011 einen Baufinanzierungskredit über 225.000 Euro mit einer 10-jährigen Zinsbindung abgeschlossen, zahlen - damals übliche - 4,25% Zinsen und haben mit der Bank in diesem Vertrag eine Rate von 1.000,-- Euro monatlich, was einer anfänglichen Tilgung von 1,33% entspricht, vereinbart. Zahlen Sie diesen Vertrag bis zum Ende der Zinsfestschreibung, stehen Sie Ende 2020 mit einer Restschuld von 188.187,55 Euro da.

Wenn Sie aber jetzt zum Jahresende 2014 aus Ihrem bestehendem Vertrag aussteigen und die aktuelle Restschuld über einen neuen Kredit für die Restlaufzeit von 6 Jahren zu aktuell 1,35% bei beibehaltener monatlicher Rate von 1.000,-- Euro - dies entspricht einer anfdänglichen Tilgung von 4,41% - finanzieren, beträgt die Restschuld Ende 2020 nur noch 151.047,53!

Eine Ersparnis für Sie von über 37.000,-- Euro!

Was soll ich denn jetzt tun?

Prüfen Sie doch erst einmal selber, ob die Widerrufsbelehrung Ihrer Baufinanzierung dem jeweils relevanten Muster entspricht. Auf der Website des -> Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) finden sie die jeweils aktuellen Widerrufsbelehrungen, als auch die vorher gültigen Widerrufsbelehrungen zurück bis ins Jahr 2002.

Wir haben Ihnen die Links zu den Muster-Widerrufsbelehrungen zur Vereinfachung nachfolgend aufgeführt.

Weicht die Widerrufsbelehrung Ihres Darlehensvertrages vom jeweils gültigen Belehrungsmuster ab, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß sie auch Fehler enthält.

1. Lassen Sie die Widerrufsbelehrung überprüfen

Haben Sie in Ihrer Widerrufsbelehrung Abweichungen zum amtlichen Text der Widrrufsbelehrung gefunden, lassen Sie die Belehrung am Besten rechtlich überprüfen. Wenden Sie sich dazu am Besten an die Verbraucherzentrale Hamburg oder suchen Sie sich einen  Fachanwalt für Bankrecht, der auch schon bereits Erfahrungen mit fehlerhaften Widerfsbelehrungen hat.

Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet eine günstige Überprüfung Ihrer Belehrung für z.Zt. 70,-- EUro je Darlehensvertrag. Aufgrund der vielen Anfragen liegt die Bearbeitungszeit aktuell dort jedoch bei rund 4 Monaten (Stand: 27.10.2014). Schneller, aber wahrscheinlich auch teurer geht dies bei einem ortsansässigen Rechtsanwalt.

Darüber hinaus finden sich im Internet einige Angebote von verschiedenen Rechtsanwaltskanzleien, die Ihnen eine kostenlose Überprüfung ihrer Widerrufsbelehrungen bieten - ob und wie gut diese Kanzleien arbeiten können wir nicht beurteilen.

2. Holen Sie ein neues Kreditangebot ein

Sollte die Verbraucherzentrale oder der beauftragte Anwalt zu dem Schluß kommen, dass ein Widerruf möglich ist, sollten Sie sich um eine Anschlussfinanzierung bemühen - womit wir ins Spiel kommen. Dabei müssen Sie nicht auf die ursprüngliche Vereinbarung achten, wie wir oben im Beispiel - dies war nur zur Vergleichsrechnung.Sie können Zinsfestschreibung, Rate usw. neu festlegen. Aufgrund des aktuell niedrigen Zinsniveaus bietet es sich an, eine lange Festschreing zu wählen, bzw. eine Volltilgung innerhalb der Zinsfestschreibung anzustreben und damit von Zinsvergünstigungen der Banken zu profitieren

Achtung: Stoplersteine....

Sollte Ihr Widerruf erfolgreich sein, verlangt die finanzierende Bank, dass Sie den ursprünglich aufgenommenen Kredit innerhalb von 14 bzw. 30 Tagen zurück zahlen und zwar in voller Höhe, d.h. so, als ob Sie bisher keine Tilgungen geleistet hätten. Dafür erhalten Sie jedoch von der Bank die bisher geleisteten Tilgungsanteile zurück - dier Zinsen hält die Bank als Erstattung für die Kapitalüberlassung jedoch fest.

Sollte Ihnen die Bank jedoch einen über dem damaligen Marktzinsniveau liegenden Zinssatz abverlangt haben - und sie können dies auch nachweisen - können Sie auch eine teilweise Zinsrückvergütung einfordern. Einen Anhaltspunkt für den Marktzins gibt die Übersicht der Deutschen Bundesbank zu den Effektivzinssätze Banken DE / Neugeschäft / Wohnungsbaukredite an private Haushalte, anfängliche Zinsbindung über 5 bis 10 Jahre

Beachten Sie, dass viele Banken mittlerweile Finanzierungen aufgrund des vorzeitigen Ausstiegs wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrungen ablehnen. Sie sollten hier mit offenen Karten spielen, denn auch noch nachträglich könnten Banken einen bereits genehmigten Kredit wegen falscher Angaben zur sofortigen Rückzahlung fällig stellen.

3. Widerrufen Sie den Darlehensvertrag Ihres Kreditinstituts

Leider wissen wir aus Erfahrung, dass die wenigsten Banken Ihren Widerruf widerspruchslos akzeptieren. Die besten Erfahrungen haben unsere Kunden dabei mit den regionalen Kreditinstituten (Volksbanken, Sparkassen) gemacht. Akzeptiert die alte Bank Ihren Widerruf nicht, müssen Sie Ihr Recht ggf. auf dem Klageweg durchsetzen und dazu spätestens jetzt einen entsprechenden Fachanwalt beauftragen.

Achtung: Stoplersteine....

Selbst wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, sind die Kosten, die durch die Einschaltung eines Anwaltes  oder die Beschreitung des Klageweges entstehen nicht in jedem Fall dadurch gedeckt.

Schwierigkeiten gibt es z.B., wenn Sie mit dem Darlehen einen Neubau finanziert haben, oder das Darlehen zur Finanzierung eines Objektes dient, dass Sie fremd vermieten. Sehen Sie sich die Versicherungsbedingungen an oder fragen Sie Ihre Versicherung.